Mit dem Rad in Berlin.

Hört sich vielleicht seltsam an, den Sommerurlaub in einer Großstadt zu verbringen. Naja, es waren nur ein paar Tage. Und die Räder hatten wir dabei, weil wir anschließend noch ein paar Tage an der Havel fahren wollten.
Ums gleich zu sagen, die Bundesgartenschau habe ich gar nicht gesehen, hat einfach Zeit- Wetter- und Quartiermäßig nicht gepasst. Die 5 Buga-Standorte liegen ja jeweils bis zu ca. 35 km auseinander. Wenn man mit dem Rad unterwegs ist, und noch keine passende Unterkunft gefunden hat, oder am nächsten Tag weiterfahren möchte, bleibt da eigentlich kaum Zeit für einen Besuch. Ich weiss nicht, ob das so eine gute Idee war mit den 5 Standorten. Natürlich ist es schön für jeden einzelnen Ort, der durch neue Grünanlagen aufgewertet wird, aber für den Besucher… nicht ganz einfach. Zumal es in den Orten wohl sehr wenige Hotels gibt. Hat also einfach nicht geklappt.

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Berlin, East-Side-Gallery

Aber erst waren wir ja in Berlin.
Hier hat sich ja wahnsinnig viel verändert seit ich das letzte mal hier war.
Und die Stadt hat wirklich eine Energie, die man spürt. Ist ja auch wohl die einzige richtige Großstadt in unsrem Land.

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Am Gendarmenmarkt

Ein Städteurlaub in den Sommerferien hat tatsächlich Vorteile, finde ich.
Im August ist es in jeder Stadt viel enspannter, das Wetter war (in unserem Fall) herrlich, die Tage sind lang, und man kann sich, wann immer man eine Pause machen möchte in einem der vielen Parks und Grünflächen entspannen.
Radfahren in Berlin bietet sich natürlich an, um die großen Entfernungen zu überbrücken. Die Radwege, sofern sie vorhanden sind, sind von sehr unterschiedlicher Qualität. Das Radwegenetz wurde wohl in den letzten Jahren ausgebaut, ist aber jetzt nicht ausgesprochen gut. In manchen Orten gibt es wunderbare Radwege, in vielen anderen Wege mit holprigem Pflaster, die plötzlich im Nichts enden, und oft gibt es nicht mal an größeren Hauptstraßen parallele Radwege, wie man es in anderen Städten gewohnt ist, (z.B. Kudamm) Obwohl der Platz fast überall vorhanden wäre. Die Stadt hat ja meist großzügig breite Straßen. Nicht selten ist auch gar nicht so klar, ob man sich auf einem Geh- oder Geh- und Radweg befindet, die Gehsteige sind ja meist sehr breit. Dafür sieht man aber auch kaum ein Verbotsschild, und mit etwas Rücksichtnahme finden alle ihren Platz.
Zur Not heisst es auch mal schieben, oder einfach um die Ecke in eine kleine Parallelstraße einbiegen, wo es meist viel ruhiger zugeht.

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Sowas gibts tatsächlich auch in Berlin-Mitte… Das sieht man aber nur, wenn man mit dem Rad unterwegs ist. Hier am Mauerradweg.

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Man findet immer ein Plätzchen zum Ausruhen.

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Auf der Reichstagskuppel hat man wirklich einen tollen Rundblick über die Stadt. Auch hier ist es am schönsten frühmorgens oder abends.

Wer als Berlin-Tourist mit dem Rad fährt, sollte am besten schon etwas Großstradtradlpraxis haben, um sich nicht vom Verkehr schrecken zu lassen.
Das heisst aber auch: am meisten sollte man sich vor den Berliner Radfahrern fürchten, die – fast immer jung-dynamisch und sportlich – meist irre schnell unterwegs sind und rote Ampeln nicht selten ignorieren!
Man sollte auch immer schön zielstrebig unterwegs sein, und nicht etwa unschlüssig vor sich hintrödeln, da kann man auch schon mal von Einheimischen angeblufft werden, wie mir zweimal passiert ist. Also nicht zaudern und zögern! Das haben wir gleich bei der Ankunft auf der Fahrt durch den Tiergarten gemerkt. Der Radweg an der Straße des 17. Juni ist offensichtlich die Autobahn der Radlfahrer. Aber das sind ja auch Entfernungen…

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In der Humboldt-Box an der Schloss-Baustelle konnten wir der Mittagshitze entfliehen, es gibt viel Interessantes zu sehen und zu hören hier.

Was sich jetzt etwas abschreckend anhört, soll aber nicht so gemeint sein, ich fand es herrlich in der Stadt rumzuradeln. Zu Fuß hätte ich längst nicht so viel gesehen, und auf U-Bahn hatte ich bei dem Wetter schon gleich gar keine Lust. Kein Menschengedränge, man fühlt sich einfach freier und unabhängiger mit dem Rad. Und es klappte alles wunderbar, auch mit dem Sohn, der normalerweise nicht soviel Rad fährt.

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Prenzlauer Berg ist ja wirklich allerliebst und gemütlich… Hier am Wasserturm.

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Samstagmorgen um 8 Uhr ist man hier fast ganz allein…

Mein Tipp: unbedingt einmal früh morgens unterwegs sein, da hat man die Stadt und Sehenswürdigkeiten fast noch ganz für sich, eine wunderschöne Stimmung!

Übrigens gibt es den Berliner-Mauer-Radweg, der direkt der Mauer folgt. Einen Teil davon sind wir öfter zum Hotel gefahren. Der Radweg ist sehr unauffällig, wie überhaupt der Verlauf der ehemaligen Mauer, und nicht sehr gut beschildert. Man braucht also unbedingt einen Plan. (z.B den Berlin-Stadtplan für Radfahrer). Dafür ist die Strecke aber auch oft recht ruhig und führt nicht selten *hintenrum* am großen Getümmel vorbei.

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Hier werkeln humorvolle und kreative Leute… im Prinzessinengarten in Kreuzberg.

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Perfekter Platz für laue Sommerabende in der Stadt: Im Prinzessingengarten kann man sein Feierabendbierchen trinken und sitzt mitten in der Stadt fast wie im Wald…

Die Hinreise haben wir übrigens mit dem Flixbus angetreten, was wunderbar geklappt hat. Die Räder werden hinten an den Radständer am Bus befestigt. Geht schneller, ist billiger als mit der Bahn, und man muss nicht umsteigen. Aber früh buchen empfiehlt sich, die Rad-Plätze sind sehr begrenzt.

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Interessante Parkanlage: der Park am Gleisdreieck. Hier wachsen Bäume auf den Gleisen und Blumen auf dem Bahnschotter.

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„Ökoschotter“ im Park am Gleisdreieck. Hier gehört es zum Komnzept, dass der Park sich durch Neuansiedelung von Pflanzen mit der Zeit verändert.

In Berlin schön bequem im Hotel, haben wir im weiteren Verlauf der Reise (Potsdam/Brandenburg/Havel) im mitgebrachten Zelt übernachtet. Was auch insofern ganz gut war, als es wirklich schwierig gewesen wäre, eine andere Unterkunft zu finden, wie sich dann auch bei Regen herausgestellt hat.
Das nächste mal werde ich mich vorher besser über die möglichen Campinplatze informieren, nicht alle sind für Radfahrer gut geeignet. Während die einen Campinplätze mit beheizten Bädern, Küchen und überdachten Sitzplätzen ausgestattet sind, fehlt auf anderen Plätzen alles in der Art. Und als Radfahrer ist man, gerade auch bei Regen darauf angewiesen, sich auch mal im Trockenen aufhalten zu können. Wie gesagt, die Qualität der Plätze schwankt extrem…

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Auch ein sehr schöner Platz zum Entspannen: Die Freundschaftsinsel in Potsdam. Natürlich auch für Gartenfreunde und Fans von „Staudenpapst“ Karl Foerster ein Muss…

Wir haben in ca. 10 Tagen unheimlich viel gesehen und erlebt. Naja, ich bin nicht so der Strandliege-Typ. Ich kann mich besser entspannen, wenn ich Abwechslung und Bewegung habe. Es war bestimmt nicht mein letzter Radurlaub. Auch dem Sohn hats gefallen. Nicht mal das Tablet wurde vermisst…
Jetzt muss ich mir nur wieder ein neues Ziel überlegen.

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